WAS IST AMIE

WIR SIND DIE OPFER DES FRIEDENS
AMIE – Freundin der Kunst ist ein eingetragener Verein, eine Vereinigung, wenn man so will, eine kleine Sekte, eine elitäre Informationsgesellschaft. AMIE ist Berufung zur Verbesserung der Welt. AMIE ist ein Lebensauftrag.
Wir lieben alles was rund ist (Maluma) oder uns zumindest rund erscheint, sind harmoniebedürftig, haben Welt- und Weitblick, sind Pazifisten und versuchen unsere Feinde zu lieben. Unser Morgen ist ein besseres. DIE NEUE ZEIT IST TOT – ES LEBE DIE NEUE ZEIT. Wir kommen nach post- und prä-post-modern. Der Weg in die Zukunft geht dabei über unsere Feinde.
WER SIND UNSER FEINDE?
„ … wenn niemand der Feind ist, sind alle der Feind…“
schreibt Elfiede Jelinek [1|. AMIE sagt: Jeder ist unser Feind! WER NICHT MIT UNS IST IST GEGEN UNS. Wir handeln und machen uns somit erst recht zum Feind. Warum lieben wir uns also nicht! Wir glauben, dass alles was uns als gefährlich erscheint über die Medien einer heilenden Wandlung unterzogen werden kann und somit keine Gefahr mehr für eine platte, aalglatte, popige „freie“ Gesellschaft wie die unsere ist. Weil wir unsere Feinde zum Star machen, zur Popikone deklarieren, lieben sie uns und wir lieben sie.
>> Macht sehen sichtbar?
DER PERFORMATIVE TURN
Was in der Kunst schon Mitte der sechziger Jahre eingesetzt hat, und sich bis heute stetig entwickelte, führt nun auch in den Wissenschaften zu einem Prozess der Veränderung. Bis in die späten Achziger des 20. Jahrhunderts herrschte in den Kulturwissenschaften die Erklärungsmetapher „Kultur als Text“ vor. „Einzelne Kulturen wurden als ein strukturierter Zusammenhang von Zeichen begriffen, denen bestimmte Bedeutungen zuzuschreiben sind“ [2 Fischer-Lichte 2004, 36]. Erst in den neunziger Jahren konnte ein Wechsel in der Forschungsperspektive vollzogen werden und somit der performative turn auch in der Disziplin der Kulturwissenschaften eingeleitet werden. „Nun traten die bisher weitgehend übersehenen performativen Züge von Kultur in den Blick, die eine eigenständige Weise der (praktischen) Bezugnahme auf bereits existierende oder früh möglich gehaltene Wirklichkeiten begründen und den erzeugten kulturellen Handlungen und Ereignissen einen spezifischen, vom traditionellen Text-Modell nicht erfassten Wirklichkeitscharakter verleihen. Die Metapher von ‘Kultur als Performance’ begann ihren Aufstieg“ [ebd.]. Jahrzehnte herrschte hier offensichtlich eine Kluft zwischen Kunst als visionäres, richtungsweisendes Element einer Kultur und der Kultur als soziale Ordnung [3 wie sie William J. Durantan definiert, vgl. dazu Böhmer 1985] vor. Setzen wir diese soziale Ordnung – die Kultur – nun gleich mit unserem alltäglichen Leben, mit dem Leben an sich, so ergibt sich in der Verbindung der Begriffe ein dichotomes Begriffspaar: Kunst und Leben. Dessen Grenzen bleiben solange deutlich, bis sie eben durch Interventionen wie jene von AMIE (hier insbesondere die Inszenierung >> The Anchorman) zum kollabieren gebracht werden. AMIE bewegt sich genau an jenem Grenzbereich zwischen Kunst und Leben. AMIE bedient sich auf Seite der Kunst alten, bewährten Modellen des Aufführungsbegriffes sowie klassischen Mustern der angewandten Kunst um auf der anderen Seite, dem Leben, eine neue soziale Erfahrung zu schaffen.
AMIE versucht eine Ausdrucksform, eine „Sprache“ zu finden, in der einerseits die gegenwärtige gesellschaftliche Situation, vor allem in ihrer Spiegelung in den Medien, zum Ausdruck kommt und in der sich andererseits anerkannte medientheoretischen Inhalte und Techniken wieder finden lassen. Mit der entstehenden künstlerischen Arbeit sollte dabei eine medien- und gesellschaftskritische Position als Kunst eingenommen werden und somit eine Perspektive, eine Lösung für das “Leben” hervorgebracht werden. Es gilt also eine Form zu finden, in der sich Kunst als auch Leben vereinen lassen, in der sich das Kunstwerk in all seinen Fassetten hervorbringen kann und Menschen, als die rezeptive Komponente davon, in ihrer Vollkommenheit als Mensch und in ihrem sozialen Zusammenspiel, dem Leben, eine neue Erfahrung, eine neue Perspektive dafür erhalten. Beweggründe dafür sind gesellschaftliche Entwicklungen, die sich seit dem Anschlag auf das World-Trade-Center in New York am 11.09.2001 besonders in Massenmedien wie dem Fernsehen zeigen. Die klassische Annahme Sichtbarkeit schafft Sicherheit ist spätestens seit den Anschlägen vom 11. September ihrer Gültigkeit enthoben – die Bedingungen der postmodernen Welt haben das panoptische Prinzip, dessen Axiom eben totale Sichtbarkeit schafft totale Sicherheit lauten könnte, zum Fall gebracht [4 vgl. Weibel 2003, 185f].
Das panoptische Prinzip nach Jeremy Bentham [6]
Der neue Feind verbirgt sich nicht mehr im Schutz der Dunkelheit
[vgl 6] …er versteht die Logik dieser neuen Ordnung, will sich der Welt zeigen, sichtbar sein. Die Medien, insbesondere Fernsehen und Internet bieten dazu die geeignete Plattform. Egal ob Fundamentalist, Terrorist, Spezialist oder einfach Idealist, es ist Platz für alle – das ist Reality.
Die Abbildung der Gewalt bis hin zur Reproduktion der Zerstörung ist in der medialisierten Welt allgegenwertig, der Feind somit überall. Ausnahmezustand. Mediale Feinde – die inszenierten Zerstörer – sorgen für den ständigen Verdacht, das ständige Suchen hinter der Oberfläche, im submedialen Raum, nach neuen Verdächtigen [5 vgl. Groys 2002, 161]. „Je mehr der Staat versucht, seine Bürger zu gläsernen Menschen und die Gemeinschaft zu einer gläsernen Gesellschaft zu machen, um so mehr nimmt das Unsichtbare und damit das Unsichere zu. Je mehr Sichtbarkeit gefordert und produziert wird, umso mehr nimmt diese Sicherheit in Wirklichkeit ab.“ [4 Weibel 2003, 188]
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MACHT SEHEN SICHTBAR?
Frage und zentrales Thema für AMIE: Sichtbarkeit. Peter Weibel [4] spricht vom „Regime der Visibilität“ und meint damit wohl die unendliche Ausdehnung von Sichtbarkeit und Transparenz, scheinbare Mitbestimmung an einem Gesellschaftssystem als eigentliches Mittel zur Unterhaltung – Big Brother is watching you. Wir wurden zu freiwilligen Opfern der Überwachung. Wir bewahren unsere Identität auf Karten mit Chips, verwalten präventiv unsere biologischen Bausteine, verlagern Teile der Gesellschaft zur Beobachtung in Container, wiegen uns in sichtbarer Sicherheit und im Masochismus des Kontrolliert-Werdens. Es ist der Kampf um Sichtbarkeit.
Entscheidend in diesem Kampf ist jedoch unser Gegenüber, unser Feind. Medien liefern uns das Bild dieses so neu entstandenen Kampfes. Sie schaffen eine neue mediale Wirklichkeit in der sich der schöne Mord DeQuinceys, Barzon Brocks Forderung unsere Städte in Schutt und Asche zu legen bis hin zu Vostells Decollage und den Selbstzerstörungsbemühungen der zivilisierten Gesellschaft wieder finden. Unser Feind ist unsichtbar und wir auf der Suche nach seinem Körper. William Burroughs beschreibt es in Naked Lunch mit: I am a ghost wanting what every ghost wants – a body. Wir finden unsere Geister in den unzählig generierten Bilder, der Medienmaschine. Sie sind das Verkörperte Unsichtbare, unsere Feindbilder.
Das Thema der Sichtbarkeit wirft somit die Frage nach unsichtbaren Feinden auf. Für AMIE nimmt das Feindbild an sich eine zentrale Rolle ein. „Wenn niemand der Feind ist, sind alle der Feind, aber niemand steht auf“ schreibt Elfriede Jellinek [1] in Bambiland. AMIE ist auf der Suche nach unseren Feinden. Ob sich diese jedoch in der Rolle des unsichtbaren, körperlosen Feindes oder in der sichtbaren Verkörperung, als Symbol für Unsichtbares wiederfinden bleibt zu klären. Es ist eine Suche nach Feinden und deren Bilder, eine Suche nach Sichtbarkeit. Eine Suche zwischen Kunst und Leben.
AMIE ist eine, wohl nicht unbedeutende Möglichkeit die bis heute gültige Dichotomie von Kunst und Leben zum Einsturz zu bringen. Dem Leben eine neue Bedeutung durch Kunst und umgekehrt zu geben. Wir wollen versuchen erläuterte gegenwärtige gesellschaftliche Phänomene nicht nur darzustellen, aufzuzeigen, sondern vielmehr einen kritischen Standpunkt einzunehmen und dennoch eine Perspektive zu vermitteln.
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Anmerkungen und Quellenverzeichnis
1 Jelinek, Elfriede (2003): Bambiland. In: Burgtheater GesmbH (Hrsg.): Bambiland. Burgtheater Programm, Heft 86, Spielzeit 2003/2004. Wien: Eigenverlag Burgtheater. Seite 15 – 60.
2 Fischer-Lichte, Erika (2004): Ästhetik des Performativen. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag.
3 Böhmer, Martin (Hrsg.) (1985): Durant-Kulturgeschichte der Menschheit. Gesamtreg. für d. Bde 1 – 18. Frankfurt/M.: Haag und Herchen Verlag.
4 Weibel, Peter (2003): Scopophilia – massenmediale Lust. In: Bohunovsky-Bärenthaler, Irmgard (Hrsg.): Von der Lust am Zerstören und dem Glück der Wiederholung. Klagenfurt/ Wien: Ritter Verlag. Seite 179 – 191.
5 Groys, Boris (2002): Der Verdacht ist das Medium. In: Heineke, Thekla / Umathum Sandra (Hrsg.): Christoph Schlingensiefs Nazis Rein. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag. Seite 156 – 162.
6 Das Panoptische Prinzip von Jeremy Bentham (Utilarismus):
The Penitentiary Panopticon or Inspection House, 1787/1791. Zeichnung von Willey Reveley
>> Jeremy Bentham im [Ctrl]Space
>> Detailierte Informationen zum Bentham Project

WIR SIND DIE OPFER DES FRIEDENS

AMIE – Freundin der Kunst ist ein eingetragener Verein, eine Vereinigung, wenn man so will, eine kleine Sekte, eine elitäre Informationsgesellschaft. AMIE ist Berufung zur Verbesserung der Welt. AMIE ist ein Lebensauftrag.

Wir lieben alles was rund ist (Maluma) oder uns zumindest rund erscheint, sind harmoniebedürftig, haben Welt- und Weitblick, sind Pazifisten und versuchen unsere Feinde zu lieben. Unser Morgen ist ein besseres. DIE NEUE ZEIT IST TOT – ES LEBE DIE NEUE ZEIT. Wir kommen nach post- und prä-post-modern. Der Weg in die Zukunft geht dabei über unsere Feinde.

WER SIND UNSER FEINDE?

„ … wenn niemand der Feind ist, sind alle der Feind…“

schreibt Elfiede Jelinek [1]. AMIE sagt: Jeder ist unser Feind! WER NICHT MIT UNS IST IST GEGEN UNS. Wir handeln und machen uns somit erst recht zum Feind. Warum lieben wir uns also nicht! Wir glauben, dass alles was uns als gefährlich erscheint über die Medien einer heilenden Wandlung unterzogen werden kann und somit keine Gefahr mehr für eine platte, aalglatte, popige „freie“ Gesellschaft wie die unsere ist. Weil wir unsere Feinde zum Star machen, zur Popikone deklarieren, lieben sie uns und wir lieben sie.

Wir setzen der allseits währenden Bedrohung, der Paranoia, den Neurosen, den Panikattacken ein Ende. Wir wollen unseren und euren Seelenfrieden.

DER PERFORMATIVE TURN

Was in der Kunst schon Mitte der sechziger Jahre eingesetzt hat, und sich bis heute stetig entwickelte, führt nun auch in den Wissenschaften zu einem Prozess der Veränderung. Bis in die späten Achziger des 20. Jahrhunderts herrschte in den Kulturwissenschaften die Erklärungsmetapher „Kultur als Text“ vor. „Einzelne Kulturen wurden als ein strukturierter Zusammenhang von Zeichen begriffen, denen bestimmte Bedeutungen zuzuschreiben sind“ [2 Fischer-Lichte 2004, 36]. Erst in den neunziger Jahren konnte ein Wechsel in der Forschungsperspektive vollzogen werden und somit der performative turn auch in der Disziplin der Kulturwissenschaften eingeleitet werden. „Nun traten die bisher weitgehend übersehenen performativen Züge von Kultur in den Blick, die eine eigenständige Weise der (praktischen) Bezugnahme auf bereits existierende oder früh möglich gehaltene Wirklichkeiten begründen und den erzeugten kulturellen Handlungen und Ereignissen einen spezifischen, vom traditionellen Text-Modell nicht erfassten Wirklichkeitscharakter verleihen. Die Metapher von ‘Kultur als Performance’ begann ihren Aufstieg“ [ebd.]. Jahrzehnte herrschte hier offensichtlich eine Kluft zwischen Kunst als visionäres, richtungsweisendes Element einer Kultur und der Kultur als soziale Ordnung [3 wie sie William J. Durantan definiert, vgl. dazu Böhmer 1985] vor. Setzen wir diese soziale Ordnung – die Kultur – nun gleich mit unserem alltäglichen Leben, mit dem Leben an sich, so ergibt sich in der Verbindung der Begriffe ein dichotomes Begriffspaar: Kunst und Leben. Dessen Grenzen bleiben solange deutlich, bis sie eben durch Interventionen wie jene von AMIE (hier insbesondere die Inszenierung >> The Anchorman) zum kollabieren gebracht werden. AMIE bewegt sich genau an jenem Grenzbereich zwischen Kunst und Leben. AMIE bedient sich auf Seite der Kunst alten, bewährten Modellen des Aufführungsbegriffes sowie klassischen Mustern der angewandten Kunst um auf der anderen Seite, dem Leben, eine neue soziale Erfahrung zu schaffen.

AMIE versucht eine Ausdrucksform, eine „Sprache“ zu finden, in der einerseits die gegenwärtige gesellschaftliche Situation, vor allem in ihrer Spiegelung in den Medien, zum Ausdruck kommt und in der sich andererseits anerkannte medientheoretischen Inhalte und Techniken wieder finden lassen. Mit der entstehenden künstlerischen Arbeit sollte dabei eine medien- und gesellschaftskritische Position als Kunst eingenommen werden und somit eine Perspektive, eine Lösung für das “Leben” hervorgebracht werden. Es gilt also eine Form zu finden, in der sich Kunst als auch Leben vereinen lassen, in der sich das Kunstwerk in all seinen Fassetten hervorbringen kann und Menschen, als die rezeptive Komponente davon, in ihrer Vollkommenheit als Mensch und in ihrem sozialen Zusammenspiel, dem Leben, eine neue Erfahrung, eine neue Perspektive dafür erhalten. Beweggründe dafür sind gesellschaftliche Entwicklungen, die sich seit dem Anschlag auf das World-Trade-Center in New York am 11.09.2001 besonders in Massenmedien wie dem Fernsehen zeigen. Die klassische Annahme Sichtbarkeit schafft Sicherheit ist spätestens seit den Anschlägen vom 11. September ihrer Gültigkeit enthoben – die Bedingungen der postmodernen Welt haben das panoptische Prinzip, dessen Axiom eben totale Sichtbarkeit schafft totale Sicherheit lauten könnte, zum Fall gebracht [4 vgl. Weibel 2003, 185f].

Das panoptische Prinzip nach Jeremy Bentham

Der neue Feind verbirgt sich nicht mehr im Schutz der Dunkelheit

[vgl. 6] …er versteht die Logik dieser neuen Ordnung, will sich der Welt zeigen, sichtbar sein. Die Medien, insbesondere Fernsehen und Internet bieten dazu die geeignete Plattform. Egal ob Fundamentalist, Terrorist, Spezialist oder einfach Idealist, es ist Platz für alle – das ist Reality.

Die Abbildung der Gewalt bis hin zur Reproduktion der Zerstörung ist in der medialisierten Welt allgegenwertig, der Feind somit überall. Ausnahmezustand. Mediale Feinde – die inszenierten Zerstörer – sorgen für den ständigen Verdacht, das ständige Suchen hinter der Oberfläche, im submedialen Raum, nach neuen Verdächtigen [5 vgl. Groys 2002, 161]. „Je mehr der Staat versucht, seine Bürger zu gläsernen Menschen und die Gemeinschaft zu einer gläsernen Gesellschaft zu machen, um so mehr nimmt das Unsichtbare und damit das Unsichere zu. Je mehr Sichtbarkeit gefordert und produziert wird, umso mehr nimmt diese Sicherheit in Wirklichkeit ab.“ [4 Weibel 2003, 188]

MACHT SEHEN SICHTBAR?

Frage und zentrales Thema für AMIE: Sichtbarkeit. Peter Weibel [4] spricht vom „Regime der Visibilität“ und meint damit wohl die unendliche Ausdehnung von Sichtbarkeit und Transparenz, scheinbare Mitbestimmung an einem Gesellschaftssystem als eigentliches Mittel zur Unterhaltung – Big Brother is watching you. Wir wurden zu freiwilligen Opfern der Überwachung. Wir bewahren unsere Identität auf Karten mit Chips, verwalten präventiv unsere biologischen Bausteine, verlagern Teile der Gesellschaft zur Beobachtung in Container, wiegen uns in sichtbarer Sicherheit und im Masochismus des Kontrolliert-Werdens. Es ist der Kampf um Sichtbarkeit.

Entscheidend in diesem Kampf ist jedoch unser Gegenüber, unser Feind. Medien liefern uns das Bild dieses so neu entstandenen Kampfes. Sie schaffen eine neue mediale Wirklichkeit in der sich der schöne Mord DeQuinceys, Barzon Brocks Forderung unsere Städte in Schutt und Asche zu legen bis hin zu Vostells Decollage und den Selbstzerstörungsbemühungen der zivilisierten Gesellschaft wieder finden. Unser Feind ist unsichtbar und wir auf der Suche nach seinem Körper. William Burroughs beschreibt es in Naked Lunch mit: I am a ghost wanting what every ghost wants – a body. Wir finden unsere Geister in den unzählig generierten Bilder, der Medienmaschine. Sie sind das Verkörperte Unsichtbare, unsere Feindbilder.

Das Thema der Sichtbarkeit wirft somit die Frage nach unsichtbaren Feinden auf. Für AMIE nimmt das Feindbild an sich eine zentrale Rolle ein. „Wenn niemand der Feind ist, sind alle der Feind, aber niemand steht auf“ schreibt Elfriede Jellinek [1] in Bambiland. AMIE ist auf der Suche nach unseren Feinden. Ob sich diese jedoch in der Rolle des unsichtbaren, körperlosen Feindes oder in der sichtbaren Verkörperung, als Symbol für Unsichtbares wiederfinden bleibt zu klären. Es ist eine Suche nach Feinden und deren Bilder, eine Suche nach Sichtbarkeit. Eine Suche zwischen Kunst und Leben.

AMIE ist eine, wohl nicht unbedeutende Möglichkeit die bis heute gültige Dichotomie von Kunst und Leben zum Einsturz zu bringen. Dem Leben eine neue Bedeutung durch Kunst und umgekehrt zu geben. Wir wollen versuchen erläuterte gegenwärtige gesellschaftliche Phänomene nicht nur darzustellen, aufzuzeigen, sondern vielmehr einen kritischen Standpunkt einzunehmen und dennoch eine Perspektive zu vermitteln.

Anmerkungen und Quellenverzeichnis

1 Jelinek, Elfriede (2003): Bambiland. In: Burgtheater GesmbH (Hrsg.): Bambiland. Burgtheater Programm, Heft 86, Spielzeit 2003/2004. Wien: Eigenverlag Burgtheater. Seite 15 – 60.

2 Fischer-Lichte, Erika (2004): Ästhetik des Performativen. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag.

3 Böhmer, Martin (Hrsg.) (1985): Durant-Kulturgeschichte der Menschheit. Gesamtreg. für d. Bde 1 – 18. Frankfurt/M.: Haag und Herchen Verlag.

4 Weibel, Peter (2003): Scopophilia – massenmediale Lust. In: Bohunovsky-Bärenthaler, Irmgard (Hrsg.): Von der Lust am Zerstören und dem Glück der Wiederholung. Klagenfurt/ Wien: Ritter Verlag. Seite 179 – 191.

5 Groys, Boris (2002): Der Verdacht ist das Medium. In: Heineke, Thekla / Umathum Sandra (Hrsg.): Christoph Schlingensiefs Nazis Rein. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag. Seite 156 – 162.

6 Das Panoptische Prinzip von Jeremy Bentham (Utilarismus): The Penitentiary Panopticon or Inspection House, 1787/1791. Zeichnung von Willey Reveley

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